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Programm

Best Portfolio 2026

Der Portfolio Day des Freundeskreis Photographie im Rahmen der 9. Triennale der Photographie bot auch in diesem Jahr wieder einen lebendigen Rahmen für spannende fotografische Positionen, intensive Gespräche und viel Inspiration. Im Mittelpunkt standen die Portfolios der 42 Teilnehmenden, die von der Jury, bestehend aus 20 internationalen Expert*innen, mit großer Aufmerksamkeit gesichtet und diskutiert wurden. 

Am Ende konnten sich sechs Arbeiten besonders hervorheben. Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner:innen des Best Portfolio Awards 2026! Lucia Jost, Kang Kaiwen, Vanessa Amoah Opoku, Asli Özdemir, Sora Park und Felix Schöppner. Eure Arbeiten haben mit ihrer Qualität, Haltung und Eigenständigkeit überzeugt und den Tag mit besonderen Perspektiven bereichert. 

Einige Impressionen ihrer Arbeiten findet ihr in den folgenden Galerien. Wir freuen uns sehr, diese Gewinner:innen vorzustellen:

 

Lucia Jost

Lucia Jost (1998), ist eine in Berlin lebende Portrait Fotografin.  


In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit den Frauen ihrer Generation und Identitätsfragen. 
Das Langzeitprojekt „Töchter der Hauptstadt“ sucht nach dem Typus der Berlinerin von heute. 
Die Portrait Serie zeigt weibliche Emanzipationsgeschichten in öffentlichen und privaten Räumen der deutschen Hauptstadt. 

 

Tanja Braune über Lucia Jost:

Liebe Lucia! 

Ich freue mich sehr, dass die Jury dich ausgewählt hat! Wir waren uns alle einig, dass deine Energie, Frische und Lebendigkeit in deinen Bildern einen ganz direkt erreicht und mitreißt. Deine Bildsprache des Feminismus ist dabei nicht militant oder aggressiv, sondern verbindend und einladend. Ein ganz klares und natürliches Statement für die Stärke und den Zusammenhalt der Frauen. Du bist zwischen vielen starken Frauen aufgewachsen, erzähltest du mir; das bin ich auch. Genau diese selbstverständliche Stärke weitergegeben durch die DNA, durch gute Vorbilder und eine verlässliche Sisterhood - das spiegelt deine Arbeit wieder. Wir haben gemeinsam viele Ideen entwickelt, wo auch die Produktwelt deine Bildsprache und deinen Blickwinkel gut gebrauchen könnte - ich bin gespannt, wo deine Reise hingeht! Viel Glück und herzlichen Glückwunsch! 

Dear Lucia! 

I am very happy that the Jury chose you! All of us were on the same page: the energy, freshness, liveliness and vividness in your images hit and energize one directly. Your imagery of feminism is not militant, yet aggressive. It is inviting and connecting. A clear and natural statement for the strength and cohesion of women. You grew up with a lot of strong women around - so I did. Exactly this natural and self-evident strength that is given by DNA, because of good role-models and a reliable sisterhood - this is what we can find in your work. You and me, we brainstormed a bit about, which products might need your help for changing their imagery through your eye and perspective. Full of curiosity and excitement I will watch your journey. Good luck and congratulations! 

Kang Kaiwen

Kang Kaiwen is a video artist and film director from China, based in Berlin. Her research focuses on ecological politics and establishing non-anthropocentric perceptual relations through moving images. Starting from an Eastern and cross-cultural cosmology, she rethinks cinema as a form of “cosmotechnics”: a way of reorganizing relations between humans, non-humans, sites, and the planetary scale. 

Her work Double Surroundings is a four-channel video work. It follows the formation of a thunderstorm and combines Chinese demon mythology with the biblical demon “Legion.” Structured through AI-generated still photographs and real moving images filmed on location in Greece, the work explores how different image systems and cultural systems can share the same world, temporality, and environment. 

 

Kang Kaiwen ist eine Videokünstlerin und Filmregisseurin aus China und lebt und arbeitet derzeit in Berlin. Ihre Arbeit konzentriert sich auf ökologische Politik und die Schaffung nicht-anthropozentrischer Wahrnehmungsbeziehungen durch bewegte Bilder. Ausgehend von einer östlichen und interkulturellen Kosmologie begreift sie das Kino neu als eine Form der „Kosmotchnik“: eine Möglichkeit, die Beziehungen zwischen Menschen, Nicht-Menschen, Orten und der planetarischen Ebene neu zu ordnen. 

Ihre Arbeit „Double Surroundings“ ist eine Vierkanal-Videoarbeit. Sie verfolgt die Entstehung eines Gewitters und verbindet die chinesische Dämonenmythologie mit dem biblischen Dämon „Legion“. Aufgebaut aus KI-generierten Standbildern und realen Bewegtbildern, die vor Ort in Griechenland gedreht wurden, untersucht die Arbeit, wie unterschiedliche Bildsysteme und Kultursysteme dieselbe Welt, Zeitlichkeit und Umgebung teilen können. 

 

Julia Bunnemann über Kang Kaiwen:

Congratulations to Kang Kaiwen for being selected as one of the Portfolio Award recipients for her series Double Surroundings. A multidisciplinary artist working across moving image, sound, and still images, Kang explores  in her work Double Surrounding postcolonial and posthuman themes through the motifs of approaching thunderstorms and apocalyptic landscapes.

Filmed in Greece, the work places sound in the foreground, creating an immersive and unsettling atmosphere. Alongside the filmed landscapes, Kang presents a series of AI-generated interiors known as Demon Rooms. The imperfections and glitches within these images are intentionally preserved, referencing the history of spirit photography and its relationship to the uncanny.

The work interweaves Western and Eastern myths and fables, drawing on biblical demonology while incorporating elements of Chinese mythology. Rather than depicting a singular catastrophic event, the storm emerges as an ongoing internal apocalypse, a state of perpetual darkness in which we find ourselves. This sense of unease is reinforced by the sombre visual tonality of the work, which permeates the imagery throughout the work.

 

Herzlichen Glückwunsch an Kang Kaiwen zur Auszeichnung mit dem Portfolio Award für ihre Serie „Double Surroundings“. Als multidisziplinäre Künstlerin, die sich mit Bewegtbild, Ton und Standbildern beschäftigt, setzt sich Kang in ihrer Arbeit „Double Surroundings“ anhand der Motive herannahender Gewitter und apokalyptischer Landschaften mit postkolonialen und posthumanen Themen auseinander.

Das in Griechenland gedrehte Werk rückt den Ton in den Vordergrund und schafft so eine immersive und beunruhigende Atmosphäre. Neben den gefilmten Landschaften präsentiert Kang eine Reihe von KI-generierten Innenräumen, die als „Demon Rooms“ bekannt sind. Die Unvollkommenheiten und Bildstörungen in diesen Bildern wurden bewusst beibehalten und verweisen auf die Geschichte der Geisterfotografie und deren Beziehung zum Unheimlichen.

Das Werk verwebt westliche und östliche Mythen und Fabeln, greift auf biblische Dämonologie zurück und integriert gleichzeitig Elemente der chinesischen Mythologie. Anstatt ein einzelnes katastrophales Ereignis darzustellen, erscheint der Sturm als andauernde innere Apokalypse, als ein Zustand ewiger Dunkelheit, in dem wir uns befinden. Dieses Gefühl der Unruhe wird durch die düstere visuelle Tonalität des Werks verstärkt, die die Bildsprache des gesamten Werks durchzieht.

Vanessa Amoah Opoku

Vanessa Amoah Opoku ist eine deutsch-ghanaische interdisziplinäre Künstlerin, die zwischen Berlin und Basel lebt und arbeitet. Sie studierte Fotografie und Bewegtbild bei Prof. Tina Bara an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, wo sie 2024 ihr Meisterschülerinnenstudium abschloss. Ihre Arbeiten wurden zuletzt im Belvedere 21 Wien, den Deichtorhallen Hamburg, dem Fotomuseum Winterthur, EIGEN+ART Lab Berlin, 18th International Triennial of Textile in Łódź gezeigt, sowie der 9. Triennale der Photographie Hamburg, wo sie aktuell mit Breathing Room in der Triennale Expanded vertreten ist. Sie ist Teil von BPA// Berlin Program for Artists 2026–27 und FUTURES Photography 2026 und lehrt Prozessgestaltung an der HGK Basel FHNW.

Vanessa Amoah Opoku fragt, was Diaspora und Displacement in Körpern und Materialien erzeugen. Mit LiDAR — einer Vermessungstechnik die ursprünglich für Kartografie und Kontrolle entwickelt wurde — bewegt sie sich mehrere Minuten lang um Körper, Pflanzen und Räume herum. Das Infrarotlicht tastet ab was die Augen nicht sehen. Was entsteht sind Fragmente aus verschiedenen Orten und Zeiten, die sie zu etwas zusammensetzt das so nie existiert hat.

Diese Fragmente materialisieren in verschiedenen Medien: als Wachs auf Glas das berührt werden kann, als Textil das die Punktwolke in etwas Fühlbares verwandelt, als Klang der im Körper ankommt bevor er gehört wird, als Gespräch das als Archiv weiterlebt. Jedes Medium zeigt etwas das die anderen nicht können. Die Installationen sind Räume die etwas von ihren Besucher*innen verlangen — eine Entscheidung, eine Bewegung, eine Berührung. Wie weit man sich einlässt bleibt offen. Was wartet sind Verschiebungsgeschichten und die Lebensformen die aus ihnen entstanden sind.

 

Marit Lena Herrmann über Vanessa Amoah Opoku:

The works of Vanessa Amoah Opoku always revolve around touch. In her interdisciplinary approach, she scans surfaces and assembles the data in new contexts. In this way, works emerge that are multi-layered, that carry multiple timezones within them, connect history with the present, and extend into space. 

The works base on the analog, become digital, and are finally translated back into the analog - into prints, textiles, sound, and ultimately into spatial installations. 

In her work Thresholds of Engineered Life, she examines the infrastructures required to create, within tropical greenhouses, an atmosphere that attempts to recreate the original habitat. This is not onlyabout contemporary techniques — Vanessa also looks at the colonial structures through which these plants were "explored." Metaphorically, the work engages with extraction, the orchestration of survival, and the performance of nature as spectacle.  

At its core and in general her work asks — and here the photographic camera is included — how imperial tools can be transformed from instruments of surveillance into means of relation. This was one ofmany reasons why the jury selected her work. 

In den Arbeiten von Vanessa Amoah Opoku dreht sich stets alles um die Berührung. In ihrem interdisziplinären Ansatz scannt sie Oberflächen und setzt die Daten in neuen Kontexten zusammen. So entstehen Werke, die vielschichtig sind, mehrere Zeitebenen in sich tragen, Geschichte mit der Gegenwart verbinden und sich in den Raum ausdehnen. 

Die Arbeiten basieren auf dem Analogen, werden digital und schließlich wieder ins Analoge übersetzt – in Drucke, Textilien, Klang und letztlich in räumliche Installationen. 

In ihrer Arbeit „Thresholds of Engineered Life“ untersucht sie die Infrastrukturen, die erforderlich sind, um in tropischen Gewächshäusern eine Atmosphäre zu schaffen, die versucht, den ursprünglichen Lebensraum nachzubilden. Dabei geht es nicht nur um zeitgenössische Techniken – Vanessa betrachtet auch die kolonialen Strukturen, durch die diese Pflanzen „erforscht“ wurden. Metaphorisch setzt sich die Arbeit mit Ausbeutung, der Inszenierung des Überlebens und der Darstellung der Natur als Spektakel auseinander.  

Im Kern und allgemein fragt ihre Arbeit – und hier ist die Fotokamera mit eingeschlossen –, wie imperiale Werkzeuge von Überwachungsinstrumenten in Mittel der Beziehung verwandelt werden können. Dies war einer von vielen Gründen, warum die Jury ihre Arbeit ausgewählt hat.

Aslı Özdemir

Aslı Özdemir (*1993) ist eine interdisziplinär arbeitende bildende Künstlerin, deren Praxis sich an der Schnittstelle zwischen generationsübergreifender Erinnerung, Empowerment und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Selbst im privaten und öffentlichen Raum bewegt. Ihre Arbeit umfasst Fotografie, Video- und Toninstallationen, Literatur und Performance.

In ihrer Arbeit „ich kann mich jetzt als akademiker*in tarnen“ setzt sie sich mit den Begriffen Habitus und Emek (Arbeit / Care) aus einer intersektionalen Perspektive auseinander. Mithilfe ihres Familienarchivs erforscht Özdemir Gesten, Berührungen und Alltagsgegenstände als Spuren verkörperter Geschichte. Ihre Suche beschränkt sich nicht allein auf die Vergangenheit, sondern ist zugleich ein Verorten in der Gegenwart. Sie legt ihren Körper als Träger inkorporierter Geschichte in die gegenwärtigen Beziehungen und Räume ihrer Familienangehörigen sowie in die Institution der Kunsthochschule. Ihre Suche hat verschiedene Ebenen: Selbstporträts, Stillleben aus der Gegenwart und Fragmente aus dem Archivmaterial. Diese fungieren als Brücke zwischen den Zeiten sowie dem Aushandeln und dem Verständnis der eigenen Position innerhalb des familiären, aber auch gesellschaftlichen Systems. Sie nutzt den Selbstauslöser, um ihre Beziehungs-‚arbeit’ mit dem Medium und seiner Geschichte im Bild sichtbar zu machen. Niemand außer der porträtierten Personen ist im Raum anwesend: Der Blick richtet sich auf die Betrachtenden, er fordert.

Für ihre Arbeit „ich kann mich jetzt als akademiker*in tarnen“ erhielt sie 2022 den Fotografiepreis der Hans und Annemarie Weidemann-Stiftung. 2024 wurde ihre Arbeit im Historischen Museum Frankfurt am Main in der Ausstellung „Stadt der Fotografinnen. 1844–2024“ gezeigt. Im selben Jahr erschien ihr Debütroman „warte ich muss das teilen“ im Rohstoff Verlag. In diesem Jahr wurde sie als FUTURES Artist 2026 der Triennale der Photographie Hamburg / Haus der Photographie – Deichtorhallen Hamburg ausgewählt.

Hannah Schuh über Asli Özdemir: 

Asli Özdemir impressed us, with her very personal body of work. Her investigation of family dynamics creates strong images, the portraits and still lifes become a  reconstruction of private narratives. Asli’s presentation consists of prints and two very different books, the collection puts a caleidoscope of stories on display,  carefully put together. 

Asli Özdemir hat uns mit ihrem sehr persönlichen Werk beeindruckt. Ihre Auseinandersetzung mit familiären Dynamiken schafft eindringliche Bilder; die Porträts und Stillleben werden zu einer Rekonstruktion privater Erzählungen. Aslis Präsentation besteht aus Drucken und zwei sehr unterschiedlichen Büchern; die Sammlung präsentiert ein sorgfältig zusammengestelltes Kaleidoskop von Geschichten. 

Sora Park

Sora Park ist eine Künstlerin aus Südkorea und lebt und arbeitet derzeit in Essen. Der Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit liegt in der eingehenden Erkundung ihrer unmittelbaren Umgebung. Ihre Fotografien sind somit ein Spiegelbild ihres Lebensweges und ihrer Erfahrungen. Sie nutzt das Medium der Fotografie, um alltägliche Momente und Lebensfragmente visuell sichtbar zu machen. Dabei arbeitet sie vorwiegend analog im Großformat mit einer 4x5-Zoll-Kamera.

Zu ihren wichtigsten Arbeiten gehört die 2017 begonnene und bis heute fortlaufende Stillleben-Serie The Afternoon of the Day. Ebenfalls im Großformat (4x5-Zoll-Film) entstand die Porträtserie Bei mir, bei dir (2018–2023). Darüber hinaus umfasst ihr Werk die Serie Stadtvögel(2019–2025), in der sie mit einer analogen Kompaktkamera Tiere im städtischen Raum beobachtet und festhält.

Ihre Stilllebenarbeit begann im Jahr 2017. Zu Beginn des Projekts, kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland, fotografierte sie parallel in drei verschiedenen Zimmern: ein Zimmer in ihrer Heimat, ein Zimmer in Berlin, wo sie ihr Leben in Deutschland begann, und ein Zimmer in Essen. Im Laufe der Zeit konzentrierte sich ihre Arbeit zunehmend auf das Zimmer in Essen, in dem sie den Großteil ihres Alltags verbringt.

In der Enge dieses persönlichen Rückzugsortes führt sie ihre Arbeit mit einer 4x5-Zoll-Großformat-Analogkamera fort. Geprägt von den Erfahrungen aus rund acht Jahren Leben in einer fremden Umgebung, fangen ihre Arbeiten jene flüchtigen Momente ein, in denen sich gewöhnliche Gegenstände plötzlich in etwas seltsam Faszinierendes und beinahe Heimsuchendes verwandeln. Durch diesen Prozess entsteht ein stiller Dialog zwischen ihrem abgeschlossenen Innenraum und der weiten Welt außerhalb.


Orlan Ohtonen über Sora Park:

Both Sora Park's portraits and still lives are expertly executed, precise and within their very own aesthetic. As a long-term project that has been carefully composed with a unique language, her portfolio stood out to the jury. The constructions in her home that Sora photographs feel casual and relatable, yet with a closer look they can become peculiar and uncanny. Her portraits, similarly, appear as vanitas - where the elements and objectssurrounding the sitters come across as if level with the person being photographed; everything is important, yet everything is also effortless. It is easy to get lost in Soras world, and there were a few voices in the jury whodescribed the encounter as a crush - as recognising something intriguing that pulls you to it even though you don't yet quite know it - it pulls you to know more, while at the same time you know you might never fully understandit. 

Sowohl Sora Parks Porträts als auch ihre Stillleben sind meisterhaft umgesetzt, präzise und zeichnen sich durch eine ganz eigene Ästhetik aus. Als langfristiges Projekt, das sorgfältig mit einer einzigartigen Bildsprache komponiert wurde, stach ihr Portfolio bei der Jury hervor. Die Arrangements in ihrem Zuhause, die Sora fotografiert, wirken ungezwungen und vertraut, doch bei genauerem Hinsehen können sie eigenartig und unheimlich wirken. Ihre Porträts erscheinen ebenfalls wie Vanitas-Bilder – wobei die Elemente und Objekte, die die Porträtierten umgeben, so wirken, als stünden sie auf einer Ebene mit der fotografierten Person; alles ist wichtig, doch alles wirkt auch mühelos. Man verliert sich leicht in Soras Welt, und es gab einige Stimmen in der Jury, die diese Begegnung als eine Art Schwärmerei beschrieben – als das Erkennen von etwas Faszinierendem, das einen anzieht, auch wenn man es noch nicht ganz versteht – es treibt einen dazu, mehr wissen zu wollen, während man gleichzeitig weiß, dass man es vielleicht nie ganz verstehen wird. 

Felix Schöppner

Felix Schöppner beschäftigt sich in seiner fotografischen Praxis mit den materiellen Bedingungen von Arbeit, Technik und Produktion. Er hat in Darmstadt und Weimar Kommunikationsdesign studiert und lebt in Leipzig.

Im Zentrum seiner Arbeiten stehen Objekte, Werkzeuge und Infrastrukturen, die gesellschaftliche Transformationsprozesse sichtbar machen und von den Wechselwirkungen zwischen Mensch, Technologie und Kontrolle erzählen. Ausgehend von theoretischen Überlegungen zur Eigenständigkeit technischer Objekte untersucht Schöppner Apparaturen und Arbeitsmittel nicht als neutrale Werkzeuge, sondern als Akteure innerhalb sozialer und ökonomischer Systeme. Seine Arbeiten bewegen sich dabei zwischen Dokumentation und Konstruktion, Analyse und Inszenierung.
Im Projekt „Handle with Care“ widmet er sich den Veränderungen zeitgenössischer Arbeitswelten. Fotografien eigens entwickelter Mouse Mover treffen auf präzise Schwarz- Weiß-Aufnahmen von Werkzeugen und Materialien, die an die Bildsprache der Neuen Sachlichkeit anknüpfen. Arbeit erscheint hier nicht als erzählte Handlung, sondern als Geflecht aus Prozessen, Routinen und technischen Beziehungen.
An der Schnittstelle von Fotografie und Skulptur untersucht Schöppner, wie sich gesellschaftliche Veränderungen in Dingen einschreiben und wie technische Objekte zu Zeugen einer Arbeitswelt im Wandel werden.

Alexa Becker über Felix Schöppner:

Handle with Care by Felix Schöppner positions itself at the intersection of sculpture and photography. 

At the center of the work are objects that Felix constructs himself: so-called “mouse movers,” devices that emerged during the COVID pandemic to simulate activity on remotely operated computers. These machines are both functional tools and sculptural objects. 

Felix photographs the devices as well as the tools used to build them. Some images are presented in a straightforward, almost portrait-like manner, while others employ multiple exposures to suggestmovement, production, and the passage of labor through time. 

The work draws attention to a form of labor that appears to take place in the virtual realm, while grounding it in the physical reality of manual craftsmanship- a tradition that has existed for centuries. The care and precision with which Felix builds his machines, and the dedication he applies to the creation of his photographic prints, underscore the seriousness of both his artistic inquiry and his profession as a photographer. 

„Handle with Care“ von Felix Schöppner bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Skulptur und Fotografie. 

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Objekte, die Felix selbst konstruiert: sogenannte „Mouse Movers“, Geräte, die während der COVID-Pandemie entstanden sind, um Aktivitäten auf ferngesteuerten Computern zu simulieren. Diese Maschinen sind sowohl funktionale Werkzeuge als auch skulpturale Objekte. 

Felix fotografiert sowohl die Geräte als auch die Werkzeuge, mit denen sie gebaut wurden. Einige Bilder werden auf eine geradlinige, fast porträthafte Weise präsentiert, während andere Mehrfachbelichtungen nutzen, um Bewegung, Produktion und den zeitlichen Verlauf der Arbeit anzudeuten. 

Die Arbeit lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Form der Arbeit, die scheinbar im virtuellen Raum stattfindet, verankert sie jedoch in der physischen Realität der handwerklichen Fertigung – einer Tradition, die seit Jahrhunderten besteht. Die Sorgfalt und Präzision, mit der Felix seine Maschinen baut, sowie das Engagement, das er in die Erstellung seiner fotografischen Abzüge steckt, unterstreichen die Ernsthaftigkeit sowohl seiner künstlerischen Auseinandersetzung als auch seines Berufs als Fotograf. 

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