Vanessa Amoah Opoku
Vanessa Amoah Opoku ist eine deutsch-ghanaische interdisziplinäre Künstlerin, die zwischen Berlin und Basel lebt und arbeitet. Sie studierte Fotografie und Bewegtbild bei Prof. Tina Bara an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, wo sie 2024 ihr Meisterschülerinnenstudium abschloss. Ihre Arbeiten wurden zuletzt im Belvedere 21 Wien, den Deichtorhallen Hamburg, dem Fotomuseum Winterthur, EIGEN+ART Lab Berlin, 18th International Triennial of Textile in Łódź gezeigt, sowie der 9. Triennale der Photographie Hamburg, wo sie aktuell mit Breathing Room in der Triennale Expanded vertreten ist. Sie ist Teil von BPA// Berlin Program for Artists 2026–27 und FUTURES Photography 2026 und lehrt Prozessgestaltung an der HGK Basel FHNW.
Vanessa Amoah Opoku fragt, was Diaspora und Displacement in Körpern und Materialien erzeugen. Mit LiDAR — einer Vermessungstechnik die ursprünglich für Kartografie und Kontrolle entwickelt wurde — bewegt sie sich mehrere Minuten lang um Körper, Pflanzen und Räume herum. Das Infrarotlicht tastet ab was die Augen nicht sehen. Was entsteht sind Fragmente aus verschiedenen Orten und Zeiten, die sie zu etwas zusammensetzt das so nie existiert hat.
Diese Fragmente materialisieren in verschiedenen Medien: als Wachs auf Glas das berührt werden kann, als Textil das die Punktwolke in etwas Fühlbares verwandelt, als Klang der im Körper ankommt bevor er gehört wird, als Gespräch das als Archiv weiterlebt. Jedes Medium zeigt etwas das die anderen nicht können. Die Installationen sind Räume die etwas von ihren Besucher*innen verlangen — eine Entscheidung, eine Bewegung, eine Berührung. Wie weit man sich einlässt bleibt offen. Was wartet sind Verschiebungsgeschichten und die Lebensformen die aus ihnen entstanden sind.
Marit Lena Herrmann über Vanessa Amoah Opoku:
The works of Vanessa Amoah Opoku always revolve around touch. In her interdisciplinary approach, she scans surfaces and assembles the data in new contexts. In this way, works emerge that are multi-layered, that carry multiple timezones within them, connect history with the present, and extend into space.
The works base on the analog, become digital, and are finally translated back into the analog - into prints, textiles, sound, and ultimately into spatial installations.
In her work Thresholds of Engineered Life, she examines the infrastructures required to create, within tropical greenhouses, an atmosphere that attempts to recreate the original habitat. This is not onlyabout contemporary techniques — Vanessa also looks at the colonial structures through which these plants were "explored." Metaphorically, the work engages with extraction, the orchestration of survival, and the performance of nature as spectacle.
At its core and in general her work asks — and here the photographic camera is included — how imperial tools can be transformed from instruments of surveillance into means of relation. This was one ofmany reasons why the jury selected her work.
In den Arbeiten von Vanessa Amoah Opoku dreht sich stets alles um die Berührung. In ihrem interdisziplinären Ansatz scannt sie Oberflächen und setzt die Daten in neuen Kontexten zusammen. So entstehen Werke, die vielschichtig sind, mehrere Zeitebenen in sich tragen, Geschichte mit der Gegenwart verbinden und sich in den Raum ausdehnen.
Die Arbeiten basieren auf dem Analogen, werden digital und schließlich wieder ins Analoge übersetzt – in Drucke, Textilien, Klang und letztlich in räumliche Installationen.
In ihrer Arbeit „Thresholds of Engineered Life“ untersucht sie die Infrastrukturen, die erforderlich sind, um in tropischen Gewächshäusern eine Atmosphäre zu schaffen, die versucht, den ursprünglichen Lebensraum nachzubilden. Dabei geht es nicht nur um zeitgenössische Techniken – Vanessa betrachtet auch die kolonialen Strukturen, durch die diese Pflanzen „erforscht“ wurden. Metaphorisch setzt sich die Arbeit mit Ausbeutung, der Inszenierung des Überlebens und der Darstellung der Natur als Spektakel auseinander.
Im Kern und allgemein fragt ihre Arbeit – und hier ist die Fotokamera mit eingeschlossen –, wie imperiale Werkzeuge von Überwachungsinstrumenten in Mittel der Beziehung verwandelt werden können. Dies war einer von vielen Gründen, warum die Jury ihre Arbeit ausgewählt hat.